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Was ist ein orthodoxer Mann?


19.05.2017

„Wohl dem Mann, der Weisheit gefunden, dem Mann, der Einsicht gewonnen hat“ (Spr 3,13)

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der Ehemänner und Ehefrauen, Mütter und Väter aus ihren Wurzeln gerissen wurden, von den althergebrachten und theologisch begründeten Werten getrennt wurden, in Bezug auf das, was es bedeutet, ein Mann zu sein, eine Frau, eine Familie. Die alten Werte und Rollen, die so leicht in einer weitgehend agrarischen und patriarchalischen Gesellschaft gepflegt wurden, scheinen in unseren industrialisierten Städten jetzt fast unmöglich gelebt zu werden. Die gesunde psychologische Bindung, die zwischen Müttern und Töchtern, Vätern und Söhnen natürlich vorkam, ist heute eine seltene Erfahrung.

Als ob dies für die geistig gesinnten nicht schwer genug zu wäre, werden wir jetzt auch von seltsamen und manchmal aberranten Vorstellungen über Sexualität und Rollenbildern überschwemmt. Wir leben in einer Kultur von zunehmendem "Unisex", Perversion und Unmoral - beim Job, zu Hause und manchmal sogar in der Kirche.

Die "Frauenbefreiungsbewegung" war ursprünglich eine verständliche Reaktion auf unverantwortliche, plumpe, arrogante und unempfindliche Männer; aber anstatt das Gewissen und die Sittlichkeit der Männer auf die traditionelle Fürsorge und die moralische Ebene der Frauen zu heben, hatte es die Wirkung, Frauen auf die mehr animalische Ebene des männlichen Verhaltens zu bringen, während sie gleichzeitig den "männlichen Mythos" zerschmetterten, ohne an dessen Platz die richtige Bedeutung zu stellen, was es heißt, ein Mann zu sein - oder für unsere Zwecke, was es heißt, ein orthodoxer christlicher Mann zu sein.

Heiliger Prophet Hiob

Ein außerordentlich relevantes Modell für den orthodoxen Mann ist heute der Heilige Prophet Hiob aus dem Alten Testament. In der Tat war es ein Mann "nach Gottes Herzen“. Sein Leben bezeugt bestimmte männliche Eigenschaften, an denen sich der orthodoxe Mann heute messen kann und messen sollte – durch ein Programm des spirituellen Wachstums und des Kampfes, das ohne gleichen ist.

Wir denken an den Hl. Hiob vor allem im Kontext seines Glaubensausdrucks und der Leiden seines Lebens, weshalb die Orthodoxen ihn "Den Vielleiden" nennen. Wir vergessen, dass er bis zum Ende standhaft blieb und den Sieg über seine Schwierigkeiten fand. Wir merken selten, dass er, um diesen Sieg zu erlangen, gewisse Qualitäten des Charakters und der Seele brauchte - die Qualitäten eines wahren und göttlichen Mannes.

Was sind diese Qualitäten?

Er war ein Mann, der Gott und Gottes liebevolle Sorge für ihn nicht vergaß, egal wie schrecklich das gegenwärtige Leiden war: Gott war immer bei mir und die Freundschaft Gottes schützte mein Haus (Hiob 29, 3-4).

Der orthodoxe Mann bemüht sich, Gott und seine Segnungen niemals zu vergessen, ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, und er gibt seiner Frau und seinen Kindern das gleiche Beispiel, besonders in Zeiten der Versuchung.

Der Prophet liebte seine Kinder und vermisste sie sehr, als er im Exil war. Er sah sie nicht als einen irritierenden Eingriff in seinen eigenen "Lebensstil" an. Er stand früh auf zu beten und brachte Opfer für sie dar, um sie zu reinigen, falls sie gesündigt hatten. Der orthodoxe Mann betet heftig für seine Kinder - sowohl für die Weisheit, um sie richtig zu leiten, als auch für Gottes Segen und Gnade für sie. Dies ist auch ein Vorbild für einen Priester, der viele geistige Kinder hat.

Der Hl. Hiob war gerecht und fair, sowohl zu seinen Kindern als auch zu jenen, für die er außerhalb seiner Familie verantwortlich war. In gleicher Weise ist ein orthodoxer Mann ein Vorbild von Gerechtigkeit und Objektivität für seine eigenen Kinder, indem er Gerechtigkeit mit Gnade abmildert.

Der Prophet Hiob erhielt Respekt von Alt und Jung. Orthodoxe Männer zeigen Respekt gegenüber ihren Älteren, sowohl in der Familie als auch bei der Arbeit, vor allem aber in der Kirche, und sie verdienen den Respekt ihrer Frauen und Kinder, indem sie nichts tun, um diesen Respekt zu zerstören oder zu skandalisieren.

Der Heilige war stabil, wie ein Baum, dessen Wurzeln immer Wasser haben. Ein orthodoxer Mann bemüht sich bewusst, die Ruhelosigkeit unserer mobilen Gesellschaft zu vermeiden und erkennt die Notwendigkeit, dass Kinder ein sicheres Gefühl für Ort und Stabilität in ihrem Leben haben.

Der Hl. Hiob war ein Suchender nach Gott und der Weisheit: Der Herr gibt, und der Herr nimmt; gesegnet sei der Name des Herrn. Ein orthodoxer Mann bemüht sich auch, in Gottes Vorsehung gelassen zu ruhen, sein Engagement für den orthodoxen Glauben lebendig zu halten und dies für seine Familie nach Kräften zu gestalten.
Wegen all dieser spirituellen Eigenschaften, war der Hl. Hiob in der Lage, schreckliches Leiden und Qualen zu ertragen, wodurch der Herr den letzten Teil von Hiobs Leben noch mehr segnete, als Er den ersten gesegnet hatte. Hier ist also ein echtes Beispiel für die heutigen Männer, die, angesichts von Schwierigkeiten und Versuchungen, oft versucht sind, sich in passive Selbstzentriertheit zurückzuziehen, und die oft zu bereit sind (und von der Gesellschaft dazu ermutigt zu werden), Job, Frau, und Kinder beim geringsten Anflug von Schwierigkeiten, fallen zu lassen. Hier ist also ein Heiliger, der im heutigen Mann, anstatt eines falschen Männlichkeitsbildes, eine echte Männlichkeit erwecken kann.

Wohl dem Menschen, der stets Gott fürchtet; wer aber sein Herz verhärtet, fällt ins Unglück (Spr 28, 14).

Großschimnik Ambrosius (vormals Vater Alexey Young)


(Quelle: www.pravmir.com)