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Was ist eine orthodoxe Frau? (Teil 1)


23.05.2017

Eine Frau zu sein, war nie eine leichte Aufgabe, seitdem Gott zu Eva sagte: „Unter Schmerzen gebierst du Kinder. "(Gen 3,16).

Aber bis zu diesem Jahrhundert war es wenigstens ein ziemlich unkomplizierte. Jedes kleine Mädchen wuchs auf und wusste genau, was von ihr im Leben verlangt wird, und lernte, wenn nicht zu mögen, so wenigstens es zu akzeptieren.

Im zwanzigsten Jahrhundert hat sich das alles geändert. Nicht das Frau-Sein ist irgendwie einfacher geworden, trotz der Vielfalt an "arbeitssparenden" Haushaltsgeräte und der eher zweifelhaften Vorzüge des "alles Habens". (Was niemand meiner Generation erzählte, den späteren Babyboomern, als wir in unsere Karrieren und Familien einstiegen, dass das „Alles Haben“ tatsächlich nur die doppelte Arbeit bedeutete!). Aber während harte Arbeit immer noch teil von uns ist, haben moderne Frauen ihre klare Richtung für das Leben verloren.

Wir sind mit einer Kakophonie von Stimmen und Entscheidungen konfrontiert, jede uns auf einen anderen Weg zuwinkend, der "Erfüllung" verspricht.
Die Welt gibt uns viele Möglichkeiten, vom ultra-konservativen Bild der kauernden, mausähnlichen Hausfrau, die in völliger Unterwerfung ihres überheblichen Mannes lebt, zu der aufstrebenden mobilen Geschäfts- oder Profi-Frau, die mit nervigen Ablenkungen wie Kindern, nicht belästigt werden will.

Am äußersten Rand hören wir die radikalen Feministinnen, die jede Frau anrufen, eine (vorzugsweise lesbische) Manifestation der Erdgöttin zu werden.
Obwohl die Welt diese und unzählige andere Entscheidungen anbietet, gibt es keine befriedigenden Mittel, um festzustellen, welcher dieser Pfade (wenn überhaupt) wirklich der richtige ist. Sogar die verschiedenen Kirchen waren nicht in der Lage, eine einheitlichde Front zu präsentieren oder den Frauen eine klare, zuverlässige Richtung vorzugeben, wie wir unser Leben ordnen sollten oder welchem Modell wir folgen sollten.

Tatsächlich scheinen die meisten Kirchen darüber genauso verwirrt zu sein, wie einzelne Frauen, wie man auf die schnell wechselnden sozialen Bedingungen und die Forderungen des Feminismus reagieren soll.

Also, wo führt uns das alles hin? Müssen wir zwischen gleichermaßen inakzeptablen Extremen wählen, oder gibt es einen anderen Weg? Gibt es einen Weg, der Frieden inmitten des Chaos bietet; der vom Gleichgewicht und richtigem Verhältnis spricht; der einen ewigen und nicht zeitlich begrenzten Blick bietet; der die wahre Erfüllung verspricht, nicht irdischer Wünsche und Ambitionen, sondern der tiefsten Sehnsüchte unserer Seelen?

Es gibt tatsächlich einen solchen Weg, und er ist in der Orthodoxen Kirche zu finden. Das orthodoxe Modell der Weiblichkeit beruht auf der Weisheit von Jahrhunderten und nicht auf dem Treibsand der philosophischen Modeerscheinungen. Der orthodoxe Weg sieht die Frau, wie Gott sie sieht - als ein Geschöpf von Ehre und Würde, mit ihren einzigartigen Gaben und Verantwortlichkeiten, mit ihrer eigenen unentberlichen Rolle, die sie bei der Rettung der Menschheit spielt.

Um diese Vision auszudrücken und klarer zu sehen, müssen wir zuerst die historische Entwicklung der Stellung der Frau in der Glaubensgemeinschaft betrachten.

AM ANFANG

Um die Geschichte der Frauen in der Kirche zu verstehen, müssen wir bis an den Anfang zurückkehren: zu Eva. Die Kirchenväter und Gelehrten haben eine Vielzahl von Meinungen über Eva verkündet, über die Natur ihrer Beziehung zu Adam vor dem Fall und über die wahre Bedeutung des "Fluches", der auf sie kam, nach dem Fall. Aber über alle Kontroversen hinaus, sind einige Dinge klar:

1) Eva wurde nach dem Bild Gottes erschaffen, genauso wie Adam. "Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie"(Gen 1, 27). In ihrer Substanz, als geschaffene Wesen, stehen Männer und Frauen mit gleichem Wert und Ehre vor Gott.

2) Eva wurde geschaffen, um Adams "Helfer" zu sein (Gen 2, 18). Das bedeutet nicht, dass sie seine Dienerin sein sollte, noch weniger seine Sklavin. Das hebräische Wort (ezer), das hier benutzt wird, wird oft für Gott selbst verwendet, als den Helfer Seines Volkes. Zweifelslos ist die beabsichtigte Beziehung eine der gegenseitigen Kooperation, nicht der Domination. Adam dagegen erhielt die Aufgabe, die Tiere zu benennen, bevor Eva aus seiner Rippe gemacht wurde. So war die Arbeit der "Unterwerfung der Erde" in erster Linie seine.

3) Eva, wie wir alle wissen, machte einen schrecklichen Fehler. Sie lauschte den verführerischen Worten der Schlange und, ohne ihren Mann zu konsultieren, aß sie die verbotene Frucht, und verurteilte sich und alle ihre Nachkommenschaft zu einem Leben außerhalb des Paradieses. Einige haben spekuliert, dass Satan beschlossen hatte, Eva eher als Adam zu verführen, nicht weil sie schwächer war, sondern weil er wusste, dass Adam ihr in ihrer Sünde folgen würde (was ihn gleich schuldig machte). Die Gerechtigkeit der Welt wurde Eva's Obhut anvertraut, aber sie konnte das Vertrauen nicht erfüllen.

4) Als Ergebnis ihrer Sünde wurde Eva zu Leid und Schmerz beim Kindergebären verurteilt und zu einem Leben der Unterordnung gegenüber ihrem Mann (Genesis 3, 16). Der Wortlaut dieses Fluches ("Viel Mühsal bereite ich dir... er aber wird über dich herrschen.") deutet darauf hin, dass Gott einfach voraussagte, was mit Frauen geschehen würde, die in einer gefallenen Welt leben, anstatt ihnen absichtlich eine Strafe aufzubürden. Sicherlich ist der Fluch eine genaue Beschreibung dessen, was mit den Frauen passiert, wenn sie der Gnade der gefallenen Männer überlassen werden.

So haben wir ein Bild von Gottes Absicht für Männer und Frauen - eine Beziehung der liebenden Zusammenarbeit zwischen zwei Menschen, gleich in Wert und Ehre, aber unterschiedlich in ihren Rollen. Und wir haben ein Bild von dieser Beziehung, die von der Sünde verdreht wird: Frauen, die durch ihren eigenen Wunsch und ihr Bedürfnis für Kinder an Männer gebunden sind, die sie zu Unrecht dominieren und herabmindern. Aber in jener Stunde, als Gott das Schicksal der gefallenen Frau aussprach, sprach er auch ihre Hoffnung aus: der Samen, der Satans Kopf zerschlagen würde.

DIE ZWEITE MUTTER

Die nächste große Epoche in der Geschichte der Frauen wird verkörpert von der einen, die zweite Eva genannt wurde, sowie Christus der zweite Adam ist: Maria, die Mutter Gottes. Da es einer Frau gegeben wurde, ihren freien Willen auszuüben, um die ganze Menschheit aus dem Paradies zu verbannen, so wurde es einer Frau gegeben, durch ihren eigenen Willen die Mittel der Wiederherstellung des Menschen zu seinem gesegneten Zustand bereitzustellen. Ohne Marias Willen und völliger Hingabe an den Willen Gottes, hätte es keine Menschwerdung geben können, und somit keine Kreuzigung und keine Auferstehung - mit anderen Worten, keinen Erlöser und kein Heil für die Menschheit.

Da Eva die Mutter der Menschheit war, so war es die Mutterschaft, durch die Maria dieses kostbarste Geschenk der ganzen Menschheit gab. So wurde Maria die Mutter all jener, die die Kinder Gottes werden würden. In Maria sehen wir die Verkörperung von all dem, was erlöste Frauen werden können - ein Zustand, der noch herrlicher ist, als der vor Eva´s Fall. Betrachten Sie einige der Qualitäten, die Maria, die Mutter Gottes, das ultimative Modell, um das unsre Leben, sogar in diesem modernen, frenetischen Tag und Alter, geformt werden können und müssen:

1) Maria unterwarf sich bereitwillig dem Willen Gottes. Obwohl sie auserwählt wurde, war sie nicht gezwungen: ihr Gehorsam war freiwillig und aufrichtig. Später, als Josephs Frau, unterwarf sie sich auch bereitwillig ihrem Mann - sie, der Gott mehr als jedem anderen Menschen vertraut war, denn sie trug Ihn in ihrem Leib.

2) Maria gehorchte Gott im Glauben. Was von ihr verlangt wurde, mußte erschreckend gewesen sein und war sicher gefährlich; aber Maria vertraute der Liebe Gottes als ihren Schutz.

3) Maria hat alles für die Mutterschaft riskiert. In ihrer Gesellschaft, galt es für eine junge Frau außerhalb der Ehe schwanger zu werden, als absolute Ernidriedung. Wäre Joseph ein hartherziger Mann gewesen, so hätte Maria eine vollständig Ausgestoßene werden können, von ihren Nachbarn geächtet, nicht in der Lage zu heiraten, ohne Mittel, sich selbst und ihr Kind zu unterstützen. Wie viele Frauen in unserer Gesellschaft haben die Abtreibung gewählt, statt sich wesentlich weniger schwierigen Umständen zu stellen? Aber Maria wählte lieber ihr eigenes Leben zu riskieren, um Leben jemand anderem zu geben.

4) Maria übernahm die Rolle, sich für die Menschen zu engagieren und sie zu Christus zu führen. Bei der Hochzeit in Kana hat sie zuerst das Bedürfnis des Volkes ihrem Sohn bekannt gemacht und sie wusste, trotz seiner Proteste, dass Er diese Bedürfnisse erfüllen wird. Dann sagte sie zu den Leuten: " Was er euch sagt, das tut!" (Johannes 2, 5). Sie ermahnt uns alle, ihre geistigen Kinder, auf Christus mit demselben liebevollen, vertrauensvollen Gehorsam zu antworten, den sie selbst gezeigt hat.

Paul Evdokimov, in seinem Buch Die Frau und die Rettung der Welt (St. Vladimirs Seminarpresse 1994), fasst die spirituelle Rolle (oder "Charisma") von Frauen zusammen, wie von Maria veranschaulicht, so: Christus in anderen Menschen zu gebären. Wir können zur physischen Mutterschaft berufen werden, um unseren Glauben an unsere Kinder weiterzugeben, oder wir können zur geistigen Mutterschaft berufen werden, um das Bild Christi allen Menschen zu zeigen und sie zu Ihm zu rufen.

FRAUEN IN DER KIRCHE

Christus zeigte durch sein eigenes Verhalten gegenüber den Frauen und durch seine Lehre an seine Jünger, daß, während der Ort für die ordnungsgemäße Leitung und die göttlich begründete Autorität sowohl im Heim als auch in der Kirche eine Konstante blieb, eine bedeutende Verschiebung in der alten Ordnung der männliche-weiblichen Beziehungen stattgefunden hatte, die seit dem Fall vorherrschten. Christus behandelte Frauen mit Würde, Respekt und Mitgefühl. In Seiner Lehre über die Ehe (Matthäus 19, 3-9), stellte Er ihre ehelichen Rechte auf das, was sie "am Anfang" gewesen waren, wieder her, bevor man für die Härte der Herzen der Menschen Rechtfertigungen gemacht wurden. Durch die Erlösung, die durch seinen Tod und seine Auferstehung vollbracht wurde, ermöglichte Christus es den Männern und Frauen, sich noch einmal für das im Paradies begründete Ideal zu bemühen: eine liebevolle Zusammenarbeit zwischen Gleichen mit verschiedenen, komplementären Rollen.

Dieses Ideal wurde in den ersten Jahrhunderten der Kirche weitgehend bewahrt. Frauen füllten die Reihen der Heiligen und Märtyrer und gaben ihr Leben an Gott in einer Vielzahl von Rollen, einschließlich als Prophetin, Lehrerin und Diakonissin, sowie der eher traditionelleren als Ehefrau, Mutter und der Ausführerin von karitativen Werken. Als die Menschen begannen, die Wüste als einen Ort zu suchen, um eine radikalere Hingabe zu Gott zu erleben, waren Frauen - beginnend mit der Heiligen Maria von Ägypten, deren Heiligkeit auch der Heilige Antonius der Große bekannte - nicht weit dahinter.

Innerhalb der Familie war die Position der Frauen bei den Christen besser als je zuvor. Während der heilige Paulus die Ehefrauen ermahnte, sich ihren Männern zu unterwerfen, was nichts Neues war, ermahnte er umso strenger auch die Männer, ihre Frauen zu lieben, "wie Christus auch die Kirche liebte" (Epheser 5, 25) - mit anderen Worten, bis zum Punkt ihr Leben für sie zu geben. Das war etwas Neues. Der alte Fluch begann zu zerbröckeln.

Zur gleichen Zeit aber gab es Lehrer in der Kirche, die eine Ansicht über Frauen vertraten, die mehr im Einklang mit den Ansichten ihrer jüdischen Vorfahren standen (prägnant ausgedrückt im traditionell männlichen Gebet, "Danke, Herr, dass Du mich nicht zu einer Frau gemacht hast"). Manche beschuldigten Frauen gänzlich für den Fall und behaupteten, dass sie von Natur aus böse seien, und von Männer gemieden werden sollten, die Rechtschaffenheit suchen. Einige bestanden darauf, dass Heirat und Sexualität erst nach dem Fall entstanden sind und nichts als ein notwendiges Übel für die Verbereitung der Spezies waren.
Man kann nur vermuten, daß diese Männer - meistens Zölibatäre - die Schuld für ihre mühsamen Leidenschaften verlagerten, diese Schuld nicht ihrer eigenen gefallenen Natur und der Versuchung des Teufels zuweisten, sondern dem unglücklichen und ungewollten Gegenstand dieser Leidenschaften – der Frau.

Im Laufe der Jahrhunderte begannen diese verzerrten Ansichten einen größeren Einfluss auf die Einstellung der Kirche und die Behandlung von Frauen auszuüben. Frauen wurden allmählich aus dem Diakonat und aus anderen Diensten ausgeschlossen, in denen sie zuvor mit den Männern gleichberechtigt waren. Frauen, die Heiligkeit erlangten, wurden gelobt, ihre schwache und böse weibliche Natur "überwinden" zu haben und so gerecht geworden zu sein, wie die Männer.

Frauen haben ihre Verfechter jedoch nie ganz verloren. Im neunzehnten Jahrhundert begann in Russland die weibliche Spiritualität wieder zur Geltung zu kommen. Mehrere bemerkenswerte Starzen (Ältesten), darunter der Heilige Seraphim von Sarov und der Heilige Theophan der Einsiedler, machten es sich zur Aufgabe, Frauen sowohl in der Welt als auch im klösterlichen Leben zu ermutigen. Beide Männer gründeten und leiteteten Frauenklöster und boten den unzähligen Laien-Frauen spirituelle Führung, persönlich oder durch Korrespondenz.

Diese göttlichen Männer hatten die prophetische Einsicht, dass es vor allem durch Frauen sein wird, dass der Glaube in Rußland während der siebzig Jahre der kommunistischen Verfolgung bewahrt werden würde, und sie wollten, dass die Frauen dafür vorbereit sind.

Katherine Hyde

(Quelle: http://www.antiochian.org)